Die Architektur

Mit dem Niedermairhof, dessen Grundmauern bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, haben wir ein großes Geschenk vererbt bekommen. Das große Wohnhaus wurde in seiner Geschichte öfters erweitert und umgebaut. Zum Glück, und das ist nicht selbstverständlich, hat es nie einen großen Brand gegeben. Beim Freilegen der Mauern haben wir mehrere Stellen neben den Kaminen gefunden, wo Holzbalken bereits angebrannt sind. Das Feuer hat sich nie ausgebreitet.

Vordringliches Ziel war es, den Charakter des historischen Gebäudes aus seiner letzten Umbauphase aus dem Jahre 1904 wieder aufleben zu lassen, Raum für Erholung zu schaffen und diesen für Urlauber zugänglich zu machen. Das 5.000 Kubikmeter große Wohnhaus wurde in den oberen drei Geschossen fast vollständig entkernt, wobei der historische Kehlbalken-Dachstuhl erhalten werden konnte.

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Die Decken wurden als Holz-Beton Verbundkonstruktion ausgeführt. Beim Innenausbau wurde großer Wert auf die akustische Trennung der einzelnen Räume gelegt. Die Fassade und Fenster wurden denkmalschutzgerecht saniert. Die baufällige Veranda, Markenzeichen des letzten Umbaus von 1904, wurde rekonstruiert.

Auch die bereits verwitterten Akroterien am First und an den Gauben wurden in viel Detailarbeit nachempfunden.

Akroterien und Dachgauben

An der Stelle der ehemaligen Außentoilette wurde ein zeitgenössischer Zubau errichtet, welcher sich prägnant vom Wohnhaus abhebt und sich gleichzeitig in das Hofensemble einfügt. Als Fassade wurde hier geschwärztes Stahlblech verwendet. Es wurde bewusst dieses Material gewählt, da es sich mit seinen lebendigen Farbschattierungen an das historische Umfeld anpasst. So konnte der kristallinen Gestalt des Zubaus die Härte genommen werden. Gemäß der historischen Vorlage beherbergen diese Räume wieder die Bäder. Mit viel Liebe zum Detail wurden die acht Suiten des Niedermairhofs individuell eingerichtet und barrierefrei erschlossen.

Der neue Zubau

Die einzelnen Bauphasen haben wir in unserem Baublog festgehalten. Wir durften mit vielen Kreativen in Architektur, Technik und Gestaltung den Niedermairhof gestalten, verändern und wohnlich machen. Und tun es immer noch. Das ist das Schöne dran. Unser Architekt Andreas Vallazza mit seinem Team hat sich hier eine besondere Erwähnung verdient.


 

Interview mit dem Architekten Andreas Vallazza

War von Anfang an klar, welch große Herausforderung dieser Auftrag für Sie werden würde?

„Wir sind in einer sehr frühen Phase zu dieser Aufgabe hinzugestoßen. Als Erstes wurde von uns eine detaillierte Bestandsaufnahme durchgeführt. Bei einem solchen Bauwerk lässt sich aber vieles erst in der Bauphase feststellen. So war uns nicht klar in welch schlechtem Zustand sich die Holzbalkendecken befanden. Dass wir beide oberen Decken auf Grund von langjährigen Wasserschäden ersetzen mussten, war am Beginn der Arbeiten nicht absehbar. Die alten Decken wurden durch neue Holz-Beton-Verbunddecken ersetzt. Hierzu mussten tausende Schrauben von Hand eingedreht werden. Für den Statiker Ing. Klaus Heidenberger war der Dachstuhl eine anspruchsvolle Aufgabe. Den Bauherren war es sehr wichtig die alten Balken zu erhalten. Um den heutigen Ansprüchen der Tragfähigkeit gerecht zu werden zu können, wurde eine komplette sekundäre Tragstruktur aus Stahl eingebaut. Die Baustellenlogistik spielte hier auch eine besondere Rolle. Nicht nur, dass die Arbeit mit Hilfe eines Krans durch das bestehende Dach nicht möglich war, auch die Bauherren bewohnten während der gesamten Bauphase die unteren zwei Geschosse.“

Der Zubau ist ein prägendes Element des Projektes. Wie ist dessen Form entstanden?

„Beim Zubau war für uns wichtig einen großen Kontrast zum bestehenden Gebäude zu erreichen. Im Entwurfsprozess war für uns der Standort ein wichtiges Kriterium. Hier am Tor zu den Dolomiten und eingebettet in die Bergwelt war es naheliegend eine kristalline Form zu gestalten. Über verschiedene Entwurfsphasen in denen die Bauherren eng eingebunden waren ist der nun gebaute Vorschlag entstanden. Er ist gleichzeitig das Produkt der vorgefundenen Lokalität und dem Spiel mit dem Raum zwischen Wohnhaus und Stadel. Die Farbe schwarz war für uns von Anfang an klar. Die helle Putzfassade schrie förmlich nach einem klaren Kontrast. Das Ergebnis war schlussendlich der schwarze Kristall.“

Ist dieser starke Körper nicht ein zu großer Bruch mit der Vergangenheit?

„Die Niedermairhof hat in seinem etwa 500-jährigem Bestehen schon einige Bauphase erlebt. Zuletzt erfuhr er vor etwa 100 Jahren einige einschneidende Umbauten. Beispielsweise wurde die Veranda im Süden in dieser Phase ergänzt. Vorher befand sich an dieser Stelle nur ein kleiner Erker. So haben bereits viele Generationen der Stammfamilie an diesem Gebäude gebaut. Auch die jetzige Generation hat ihren Teil am Gebäude ergänzt ohne jedoch dessen Charakter zu verfälschen.“

Die Einrichtung besticht durch sehr viele kleine Details. Wie ist es dazu gekommen?

„Wir konnten bei der Einrichtung auf einen großen Schatz aus vorhandenen Mobiliar zurückgreifen. Zusammen mit unserer Mitarbeiterin Architektin Ingrid Tosoni und den Bauherren überlegten wir uns zu allen Zimmern ergänzende Möbelstücke. Diese sollten möglichst einfach gestaltet sein und im Hintergrund bleiben. Durch die Eigenheit eines jeden Zimmers ist so eine Vielzahl an Lösungen entstanden. Durch verschiedene Eingriffe der Künstlerin Ingrid Canins wurden zusätzliche Highlights in der Innenausstattung geschaffen. So wurde zum Beispiel eines der Zimmer komplett von ihr ausgestattet und unterscheidet sich somit wieder von den anderen. Ich kann mich in jedem Fall nicht an ein Projekt erinnern wo wir so viel Detailarbeit in die Einrichtung gesteckt haben. In der Kombination der alten Möbel, den teilweise freigelegten Wandmalereien und den restaurierten Möbeln, bin aber der Meinung, dass sich der Aufwand gelohnt hat.“

Bei solchen alten Gemäuern muss man beim Wohnkomfort sicher ein paar Abstriche machen.

„Hier wurden von den Bauherren keine Kosten und Mühen gescheut um das Bauwerk auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Es wurde ein eigener Akustiker engagiert. Dieser stand uns während der gesamten Bauphase beratend zur Seite. So ist es uns gelungen den Altbau akustisch so zu gestalten, dass er weit über den Normen für die Schallübertragung liegt. Jedes Material und jedes Detail mussten dazu speziell untersucht und abgestimmt werden. Natürlich wurden auch die gesamten Installationen erneuert. Sogar die alten Kachelöfen wurden einzeln zerlegt und in Puzzlearbeit an anderen Standorten mit eingebauten Heizspiralen wiedererrichtet. Sie dienen nun als Heizkörper und verbreiten wieder wohlige Wärme. Die Wärme wird durch eine Innendämmung im Dachgeschoss auch länger im Gebäude gehalten. Auch das Dach wurde dämmtechnisch komplett überarbeitet.“

Wie war die Zusammenarbeit mit den Bauherren?

„Ich bewundere die Bauherren sehr für Ihre Geduld und ihre Ausdauer. Besonders Kathrin hat sich während der gesamten Bauphase um alle Details gekümmert. Ich kann mich gut an Baustellensitzungen erinnern, bei denen Kathrin ihren kleinen Sohn am Rücken getragen hat, während dieser seelenruhig geschlafen hat. Auch Helmuth war sehr eng in die Planungsarbeiten eingebunden. Schlussendlich war es echte Teamarbeit.“

Wie ist ihr Fazit?

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir bei diesem Projekt mitarbeiten durften. Leider findet man zu selten Bauherren, welche ein solches Verständnis für kreative Prozesse mitbringen und welche selbst so viel Leidenschaft bei der Gestaltung eines solchen Projektes entwickeln. Ich wünsche ihnen deshalb und natürlich auch den Gästen des Hauses viel Freude mit der Architektur des Gebäudes.“

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