Gastbeitrag: 25 Jahre Bergwandern in den Dolomiten, zu Gast im Niedermairhof

Vielen Dank für das wunderschöne Zeitdokument – mehr bleibt hier nicht zu sagen. Der Gastbeitrag von Familie Ferschl/Kühnlein ist wunderbar.

Und schon gehts los:

1975 quartierten wir uns zum ersten Mal im Niedermairhof ein und blieben dem Haus ein Vierteljahrhundert treu. Wir, das sind etwa 40 Schüler(innen) und meist 6 Lehrer und Betreuer aus dem Internat des Max-Reger-Gymnasiums in Amberg/Oberpfalz.

Das Küchenpersonal, drei Damen und ein Meisterkoch, reisten bepackt mit Wurst, Käse, Marmelade und was man so brauchte für eine Woche, schon einen Tag zuvor an, um mit dem Bäcker, dem Weinhändler und dem Bauern, der täglich mehrere Kannen Milch brachte, alles zu arrangieren. Das abendliche Essen, immer drei Gänge, war auch ein Anziehungspunkt für die Internatsschüler: Wer von uns kannte schon Minestrone und Lasagne vor 40 Jahren!

Regelmäßig wurden 4 ganztägige Bergwanderungen bewältigt (Piz da Perez, Seekofel, Bonacossaweg, Alpinisteig), auch mit Klettersteigen für die älteren, sportlichen und gut trainierten Schüler. Und erstaunlicherweise hat es nie einen Unfall oder größere Probleme mit dem Wetter gegeben ( Schnee am 3.September 1976! ). Die Schüler wurden in Gruppen aufgeteilt mit jeweils einer Lehrkraft als Leiter, und wundersamer weise funktionierte die Disziplin am Berg (Gänsemarsch!). Oft wunderten sich andere Wanderer, dass man mit einer so großen Schülergruppe derartige Touren unbeschadet unternehmen konnte. Der Ruhetag sollte der Erholung dienen, die man im Schwimmbad oder im Stadtcafé finden konnte.

Natürlich trug die Autorität des Direktors ihren Teil dazu bei. Er hatte immer drei große Auftritte: der erste umfasste eine ausführliche Belehrung über das richtige Verhalten am Berg, und das wurde nach jeder Tour besprochen – mit Lob und mit Tadel. Die zweite große Ansprache erklärte einiges zur Geschichte Südtirols, zu den Spuren des Stellungskrieges in den Bergen aus dem 1. Weltkrieg und auch zur gegenwärtigen Lage. ( Die Sprengung des Alpini- Denkmals haben einige von uns „mitgehört“). Die dritte Rede war die beliebteste: das Vorstellen des jeweiligen Abendessens, dazu Erklärungen zu Zutaten und Zubereitung.

Große Aufregung verursachte immer der letzte Abend vor der Heimfahrt. Jede Gruppe sollte etwas zum Besten geben, Rate spiele, Pantomimen, Kostümprämierungen und ähnliches. Höhepunkt war die Ordensverleihung: für die schnellsten, die langsamsten und immer ein dickes Lob für die Küche. Oft saß das Ehepaar Mair dabei und hatte viel Spaß an dem bunten Unsinn, vor allem aber an den fröhlichen Liedern (immer wurde auch das Südtirollied gesungen), vielleicht auch ein kleiner Ausgleich für den Lärm, den eine Woche lang 40 Schüler über ihren Köpfen produziert hatten.

Am nächsten Morgen ging es dann nach Hause – mit Wehmut im Herzen und den Klängen von „il Silenzio“ in den Ohren. Und Vorfreude auf das nächste Mal.

Die Dolomitenfahrt – heiß geliebt und unvergessen bei allen,die jemals dabei waren.

 

Ein typischer Tagesablauf

6.30 Uhr: Wecken mit Flügelhorn- oder Trompetensignal

7.00 Uhr: Frühstück

8.00 – 8.30 Uhr: Abfahrt zum Ausgangspunkt der jeweiligen Tour.

  • Aufstieg mit gelegentlichen Verschnaufpausen
  • Mittagsrast möglichst auf dem Gipfel mit mitgeschleppten Broten, Tee und Gipfelkaffee (Campingkocher)
  • rascher Abstieg ins nächstgelegene Wirtshaus, erste Stärkung der Älteren mit Rotwein, Bier oder Tee mit Apfelstrudel, der Jüngeren mit Saft oder Limo

17.00 Uhr: Zurück im Niedermairhof: Ansturm auf die Duschen, Warten auf warmes Wasser, Karten- und Ballspiel vor dem Haus, manchmal auch ein Eisbecher in der nahe gelegenen Eisdiele

19.00 Uhr: Großes Abendessen mit drei Gängen, anschließend Spülen und Tischdecken für das Frühstück, Versorgen der Wunden und Wehwehchen, lockeres Beisammensein in der Wirtsstube mit viel Gesang, Spielen und natürlich Rotwein aus dem Fass

ab 21.00 Uhr: Bettruhe gestaffelt nach Alter

gegen 24.00 Uhr: alle im Bett, wohlverdiente Nachtruhe

Im September 2016 fanden sich 4 Lehrer, die zum Stammpersonal gehörten, zur Dolomiten – Erinnerungsfahrt wieder in Dietenheim ein und waren vom „neuen, alten“ Haus hingerissen: Alles ist wunderbar erneuert, und doch erkennt man so viele liebgewordene Dinge wieder.

Silke Schäfer und Eberhard Kühnlein
Karoline und Georg Ferschl

    

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